Kontraindikationen und unerwünschte Reaktionen der Blutegeltherapie

 

Bei der Blutegeltherapie geben die Egel ein Gemisch verschiedener, wirksamer Substanzen ab. Diese Wirkstoffe dürfen mit jedem Patienten verabreicht werden, wir sprechen hier von Kontraindikationen. Außerdem können die Wirksubstanzen auch unerwünschte Reaktionen auslösen. Darüber werden Sie selbstverständlich vor der Therapie aufgeklärt.

Kontraindikationen

Die Blutegeltherapie entzieht dem Körper Blut, daher darf die Behandlung nicht während der Mentruation durchgeführt werden. Man wartet bis sich der Körper von der natürlichen Blutung erholt hat.

Bis heute liegen keine Erkenntnisse darüber vor, ob die Inhaltsstoffe des Blutegelspeichels auf das werdende oder gestillte Kind übertragen werden können. Deshalb wird auch während der Schwangerschaft und der Stillzeit keine Blutegeltherapie durchgeführt.

Angeborene Blutgerinnungsstörungen wie Hämophilie stellen eine absolute Kontraindikation dar.

Bei Medikamenten induzierte Blutgerinnungsstörungen müssen wir differenzieren.

Keine Kontraindikation ist die Einnahme von Thrombozytenaggregationshemmern wie Acetylsalicylsäure oder Clopidrogel .

Cumarin und Cumarin-Derivate wie z. B. Warfarin oder Phenprocoumon dürfen nur mit Erlaubnis des behandelnden Arztes abgesetzt werden. Nur dann und nach Erreichen eines Quickwertes von 80% dürfen Blutegel angesetzt werden.

Herparin und Heparinderivate können nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt ersetzt oder ergänzt werden. Die Halbwertszeit von Heparin ist sehr gut kurz, so dass eine Blutegeltherapie einfach einzuplanen ist.

Anämien stellen eine Kontraindikation dar, wenn der Hämoglobin wert 110 g/l Blut unterschreitet, bei leichten Anämien wird nur mit Blutegeln behandelt, wenn dies dringend erforderlich ist. Knochenmarkserkrankungen mit aplastischer Anämie schließen eine Blutegelbehandlung aus.

Leider der Patient unter einem aktiven Magengeschwür oder einer erosiven Gastritis darf ebenfalls keine Blutegeltherapie durchgeführt werden.

Patienten mit fortgeschrittenen, chronischen Erkrankungen und Immunsuppression, dazu gehören auch dialysepflichte oder transplantierte Patienten dürfen mit Blutegeln behandelt werden. Ebenso dürfen Patienten mit Krebs oder Tumoren mit Blutegeln therapiert werden.

 

Unerwünschte Reaktionen

Leider kommt es bei der Blutegeltherapie gelegentlich zu unerwünschten Begleitreaktionen. Diese sind in der Regel nur leicht und können gut beherrscht werden.

Unterschiedliche allergische Reaktionen können vor allem im Bereich der Bissstellen auftreten. Bei Patienten mit Allergien gegen tierische Eiweiße wie Bienengift ist besondere Vorsicht geboten. Ich persönlich habe in meiner Praxis aber noch keine häufigeren oder stärkeren Reaktionen beobachten können.

Gelegentlich kommt es zu Juckreiz und Rötung im Bereich der Bissstellen. Über den Umgang damit, kläre ich Sie selbstverständlich im Vorfeld der Behandlung schon auf.

Selten kommt es zum Anschwellen der regionalen Lymphknoten und des behandelten Körperteils. Das kann meist daran liegen, dass die Lymphknoten durch den gesteigerten Fluss der Lymphflüssigkeit eine höhere Filterleistung zu bewältigen haben.

Nach dem Abheilen der Wunden nach dem Blutegelbiss kann es zu einer Depigmentierung oder Narbenbildung im Bereich der Bissstelle kommen.

In seltenen Fällen kommt es zu Abgeschlagenheit, Temperaturerhöhung oder generalisierter Juckreiz.

Unerwünschte Reaktionen der Blutegeltherapie sind gelegentlich zu beobachten und gut zu behandeln.