Wirkungsweise der Blutegeltherapie

Die Wirkung der Blutegeltherapie beruht auf unterschiedlichen Aspekten. Wichtig sind natürlich die biologisch aktiven Substanzen im Speichel der Egel. Dann wirkt der Biss des Egels selbst, durch den Blutverlust entsteht ein Aderlasseffekt, hinzu kommen Wirkungen auf das Lymphsystem sowie euphorisierende Wirkungen.

Biologisch aktiveSubstanzen

Sehr wahrscheinlich enthält das Speicheldrüsensekret des Egels mehr als 100 aktive Inhaltsstoffe. Die wenigsten davon sind bisher identifiziert, noch weniger in ihrer Wirkung bekannt. Der Speichel des Blutegels besteht zu 90% aus Wasser. Darin enthalten sind Peptide, Lipide und Polysaccharide. Einige, wichtige Stoffe seinen im Folgen genannt nach ihren Wirkungen genannt.

Blutgerinnung beeinflussend

Hirudin ist der erste Stoff, der im Speichel entdeckt wurde und nach der der Gattungsbezeichnung der Blutegel, Hirudo, benannt wurde. Hirudin beeinflusst die Blutgerinnung, indem es die Wirkung des Thrombins blockiert. Außerdem reguliert Hirudin das Nervenwachstum und schützt – in virtro – Nervenzellen vor einer Wirkung des Thrombins, das das Absterben der Zellen fördert.

Weitere Stoffe, die die Blutgerinnung beeinflussen, sind Apyrase, Calin und Saratin.

Lysierende Inhaltsstoffe

Lysierende Stoffe erleichtern das Eindringen des Speichels in das Gewebe des Patienten, indem sie die Durchlässig des Gewebes erhöhen.

Destabilase-M zum Beispiel wirkt antithrombotisch und thrombolytisch. Destabilase-M kann das Entstehen von Thrombosen verhindern und Thrombosen sogar auflösen.

Weitere lysierende Substanzen sind u. a. die Hyaloronidase, Kollagenase.

Immunmodulierende Inhaltsstoffe

Hier ist vor allem die Destabilase-L zu nennen, die durch ihre Lysozymaktivität antimikrobiell wirksam scheint..

Entzündungshemmende Stoffe

Die im Speichel des Egels enthaltenden Egline sind starke, natürliche Entzündungshemmer. Ebenfalls entzündungshemmend wirken u. a. Hirustasin und LCI.

Aderlass ähnliche Wirkung

Bei der Blutegelbehandlung handelt es sich trotz des Blutverlustes nicht um einen Aderlass im klassischen Sinne. Während des Saugvorgangs nimmt ein Egel etwa 10 bis 20 ml Blut auf. Durch die Wirkung von u. a. Calin und Saratin wird der Wundschluss verzögert. Während der Nachblutzeit von etwa 12 Stunden verliert man nochmals etwas die gleiche Menge Blut.

Der Saugvorgang und das Nachbluten führen durch Verlust von Blut und Lymphflüssigkeit zu einer Entlastung des Kapillarbetts, Entstauen die behandelte Region und reduzieren Entzündungsprozesse. Außerdem können sich Hämatome und Vernarbungen lösen.

Wirkung auf das Lymphsystem

Lymphe oder Gewebsflüssigkeit finden in unserem ganzen Organismus, sie findet sich in allen Geweben und zwischen allen Zellen. In unserem Körper finden sich etwa 20 Liter Lymphe, die eine wichtige Funktion erfüllen. Durch den Blutegelbiss tritt nicht nur Blut, sondern auch Lymphflüssigkeit aus, der Fluss der Lymphe wird verstärkt. Stauungen im Bereich der Gewebsflüssigkeit können sich dadurch auflösen und wieder abfließen.

Euphorisierende Wirkung

Oft ist nach dem Ansetzen von Blutegeln eine Stimmungsaufhellung bei Patienten zu beobachten, die auch schon in älteren Berichten beschrieben wurde. Bis heute gibt es für diesen Effekt keine befriedigende Erklärung. Ein möglicher Ansatzpunkt könnte das im Speichel des Egels enthaltene Serotonin sein.

Viele positive Eigenschaften des Blutegelsekrets können wir heute erklären. Sollten Sie Belege und Studien dazu benötigen, sprechen Sie mich an oder konsultieren Sie das Lehrbuch „Hirudotherapie“ von Dominique Kauhler Schweitzer und Magdalene Westendorff. An dieses Lehrbuch lehnt sich meine kurze Darstellung an, die beiden Kolleginnen haben großer Akribie die aktuelle Studienlage zusammengetragen.